Schon seit 2051 gibt es das Passierthing im Preußenpark (offiziell Europapark, sagt aber keiner). Dabei wandeln ein Sokraty und ein Platony der Preußophischen Gesellschaft zur Erkundung der fortschrittlichen Vergangenheit (PGEV) durch die Grünanlage, wobei sie über aktuelle, triviale oder zeitlos drängende Fragen plaudern, um „das moralische Monopol der Streamingfaces und der Bundespräsidenty zurück in den Preußenpark zu holen“ . Wir haben bereits von diesem bei den Berlinerinnen immer beliebter werdenden Teil der „neuen Lokalkultur“ berichtet (der nebenbei der Rentenaufbesserung der WG Arkadien dient).
Seit letztem Jahr begleitet die Debattanten der Rabestolz , ein humpelnder, etwa 1,5 m großer Roboava, der dem PGEV vom Wilmersdorfer Institut für digitale Unterhaltung und Bildung zur Verfügung gestellt wird. Durch den Nahkontakt über einen Wahrfreund können User Texte, Fragen und Kommentare in die Rabe-App einspeisen; so wird der Rabestolz zu einer Art “Summe der User, weise, eckig und auch etwas Prol” (so ein Werbetext). Audiovisuelle Aufzeichnungen sind, wie bei der PGEV üblich, unerwünscht. Was folgt, ist ein Gedächtnisprotokoll.
Passierthing ’56, der Sokrata, des Platin und des Rabestolz vom Preußenpark (kollektives Gedächtnisprotokoll der DIDIMOS-Redaktion):
Es ist warm, die Blüten blühen, strömen zarte Fragranzen aus. Menschen sammeln sich um den Startpunkt, mit Stühlen oder Leitersitzen, viele in Verkleidung. Diogenes, Nietzsche, Arendt und Foucault sind als Figuren da. Der Rabestolz funkelt blechern, humpelt von Mensch zu Philosoph-Gestalt, sammelt Input aus Händen, die sich ihm auf den Schädel legen, flattert mit rostig knarrenden Flügeln. Sein linkes Auge blitzt, rollt unstet, von krächzendem Jammer begleitet, als müsse er innere Kurzschlüsse ertragen. In sein triumphierendes “Input her! Der Wahrheit mehr” mischt sich ein „Oh weh, du fröhliche Masse! Eine Tasse!“ Er sammelt eine weggeworfene Glühderrick-Tasse auf und humpelt sie – mit scharfem Seitenblick auf das der Schmutztat verdächtige Publikum – zum nahen Stand. Die Aktion erntet Applaus, worauf der Rabestolz eine Pirouette dreht, hüpft und wackelig landet, um sich dann zu verbeugen, ein Bein auf dem Boden, das andere in der Luft.
Es erscheinen Sokrata und Das Platin. Sie kommt in einem sanft wogenden Gehstuhl daher, er schlendert heran. Dank der langen Beine des Gehstuhls ist die Sokrata fast auf Augenhöhe des Platin. Beide tragen Buntface, Platin den Regenbogen, Sokrata monoweiß. Die Menge wirft Konfetti.
Sokrata: „Was für ein Tag, mein gutes Platin.“
Platin verbeugt sich in die Runde. Das Publikum verbeugt sich zurück.
Platin: „Was ein Tag! Gegrüßt liebe Leute von heute! Was wollen wir besprechen? Was bewegt euch – Straßenstreams? Sinnfragen, Höhlenbilder oder Politik?“
Publikum: „Das sagt ihr uns!“ – “Derrick!” – “Was das Platin nicht weiß …” (usw.)
Sokrata : „Gegrüßt, ihr Nasen. Aus deren Vielzahl wir heute Weisheit ziehen dürfen. Noch einmal: Wo sollen wir anfangen?“
Freundliches Gelächter, prasselnder Applaus.
Publikum: „Anfangen, wo es anfängt.“ – “Leadership in schweren Zeiten” – “Die goldene Flotte”
Trio & Begleitung haben sich in Bewegung gesetzt, vorbei an der mit einer mexikanischen Totenmaske internationalisierten Borussia-Statue.
Sokrata : „Hm. Passt nicht zur Jahreszeit – aber kennt ihr den Nikolaus von Myra?”
Publikumsstimmen : “Nikolaus?” – “Den mit dem Haus?”
Platin : „Mmm. Ich spüre es. Sie kennen ihn kaum.”
Sokrata : „Stimmt das? Ihr kennt den Namen, aber ihn kennt ihr kaum.“
Rabestolz (mit blitzendem Auge): „Doch, doch. Sie wissen, was sie wissen – vom Nikolaus, der scheuen Maus. Er bedachte die adretten Töchter drei seiner Nachbarei mit goldenen Batzen, so sie der Prostitution’ Krallen nicht verfallen. Außerdem wurde er ein Mann ganz Schokolade genannt. Ein Körperschmaus im eignen Haus. Bekannt aus Streams und Immo-Welten.“
Publikumsstimme : “Nikolaus bedeute ‘Sieg des Volkes’.”
Sokrata : „So? Hmhmhm. Ist es Sieg des Volkes, beschenkt zu werden? Hmhmhm.“
Platin : „Nun. Es ist schön, beschenkt zu werden. Bedacht von Heiligen, vom Staat, und auch von uns. Was zweifelst du, Sokrata, an der Vox populi?“
Publikumsstimme : “Mehr Bedingungsloses, mehr Geld!” – „Hört! Hört!“ – „Nikolaus war Demokrat!“
Platin : „Das ist nicht falsch gedacht. Demokraten schützen das Volk vor Amoral. Fördern, auch durch Zuwendungen, Gutes, wo einst Willkür war. Politiker sind die starke, die schützende Hand des Volkes. So wie der Philosoph die Gedanken der weniger Zertifizierten schützt und stützt.”
Sokrata : „Oh Platin mein, jetzt fängt es an. Vor wem oder was muss das Volk denn beschützt werden? Mit seiner eigenen starken Hand?“
Platin : „Nun. Zum Beispiel vor der eigenen Ignoranz.”
Rabestolz : „Eiskalt die Hand im Ruhmesglanz! Oh Eleganz! Ich, euer Rabestolz, schütze euch gern, doch vor wem? Vor dem?”
Publikum : “Vor dem Volk.” – “Vor den anderen.” – “Dem weißen alten Nikolaus!”
Sokrata : „Verstehe ich das richtig, Platin? Demokratie, das ist der Sieg des sich selbst regierenden Volks über sich selbst?“
Rabestolz : „Richtig und keineswegs nichtig. Dēmokratía – ist Volksherrschaft.”
Sokrata : „Und Herrscher und Beherrschte sind eins und gleich?“
Platin : „Mitnichten. Wo Gutes sein will, muss dies gegeben werden. Von denen, die es besser wissen.”
Publikum : “Ganz recht.” – “Das Volk beherrsche sich.” – “Drei Derrick plärr ick!”
Platin : „Demokratie heißt eben nicht, dass alle entscheiden oder auch nur sprechen sollen, sondern die, die belegbar gelernt haben, das sinnvoll zu können. Die anderen dürfen hören und lernen. Demokratie, das ist Sinn-Design!”
Publikum : “Richtig!” – “Quatsch!” – “Aha!”
Rabestolz : „Ich seh’s nach: 85 % der Deutschbürger maulen, Deutsche seien antidemokratisch, rechts und faul. Demokratie, wummerts, ist die kühle Kunst, das tumbe Volk zum Denken zu lenken. Recht und Macht habe die Gerechtigkeit. Ein Götterschmaus!“
Aus dem Publikum Gelächter.
Platin : „Schön gesagt. Nur Rabestolz: Alle Macht geht vom Volke aus, so steht es im Gesetz. Gut und richtig. Nur muss eben diese Macht in die richtigen Bahnen gelenkt werden. In Bahnen, die das Volk recht lenken. Demokratie ist eine Schleife der Erkenntnis. Von Escher.”
Publikum : “Richtig!” – “Trau keinem über 50.” – “Wer nicht studiert, verliert!”
Sokrata : „Hm. Hört sich das an, als wäre der Staat ein elitärer Münchhausen? Der sich, nach Brecht, sein Volk erwählt oder erzieht? Wäre es nicht besser, von …”
Publikum : “Keine Macht für Niemand!” – “Geh doch nach Haven!”
Sokrata : „Geh doch rüber“, in Transposition. Das hab ich lange nicht mehr gehört … Oh! Die Jahre! Haven … (hustet, krümmt sich; einen Moment sind alle besorgt; Sokrata fängt sich) Ich gebe zu, das Experiment hat mich bewegt. An Orten, an denen sich dieses zerfallende Wesen eigentlich nicht mehr bewegen dürfte …”
Platin: „Sokrata, geht es dir gut? Brechen wir ab?“
Sokrata : „Ha. Wollen wir sehen, ob wir tatsächlich Wissen oder Weisheit aus den Nasen der Anwesenden ziehen können? Wie wäre es mit drei Begriffen? Einfachen Assoziationen, die ausdrücken, was Haven für euch ist. Die Anarchodemokratie?“
Publikum : “Verrat” – “Hoffnung” – “Chaos” – “Wunder” – “Die Welt der Anderen” – “Devot & Nervig” (und so weiter)
Sokrata : „Mein Gehör ist nicht, was es einmal war. Rabestolz. Was wurde zumeist gesagt?“
Rabestolz: „Hummel, Hummel. Quantifiziere den Schnäuz der Weisheit. Hygienisch fragwürdig, philosophisch erlaubt. Die drei häufigsten Naseweisheiten waren: Verrat. Hoffnung. Welt der anderen.“
Gemurmel, Zustimmung, Widerspruch. Der Rabestolz scharrt mit den Krallen. Platin kratzt sich am Kopf.
Platin: „Ich wage die Interpretation. Verrat – an dem Versuch unseres Systems, Fortschritt und Moral zu stabilisieren. Hoffnung – dass die Havener ihren Irrtum einsehen. Welt der anderen – Havens Wunsch, sich der historischen Verantwortung zu entziehen. So machen das Leute, die sich nicht entwickeln, sondern stehenbleiben. Weil sie beispielsweise weggehen.“
Applaus, Buh-Rufe.
Rabestolz: „Demokratie lebt von Diskussion. Leider reden die Leute zu viel.“
Gelächter. Konfetti fliegt. Plötzlich erleuchtet ein Sonnenspot die Sokrata.
Sokrata: „Ah, die Sonne … Symbol für Bewusstsein, Logik, Zukunft, oder nicht? Aber ich schweife ab – was meint ihr? Reden die Leute zu viel – oder hören wir zu wenig?“
Publikum: „Zu wenig! Zu wenig!“ – “Mehr Derrick” – “Das beste System!” – “Haven!”
Platin bleibt stehen: „Hört. Die wenigsten sind geeignet, über das System zu reden. Die meisten überfordert das eigene Leben. Ohne internalisierte Strukturen – euch gegeben durch Bildungswege und Karrieren – ist keine Gesellschaft lebensfähig. Haven ist dem Untergang geweiht, ist die Hybris der Hoffnung ohne Struktur und Plan. Und du und ich, liebe Sokrata, wären dort auch nicht willkommen. In Haven. Denn wo Chaos und Anarchie herrschen, werden intelligente Menschen nicht gebraucht. Denn die sind geboren, um zu führen. Nicht, um mitzulaufen.“
Gelächter, Buhen.
Sokrata : „Hmhmhm. Ich frage mich, was ihr wollt.”
Schweigen. Trio und Begleiter haben den Park einmal umrundet; ein junger Mann aus dem Publikum kommt dazu und gibt Sokrata und Platin je einen Derrick. Die beiden bedanken sich mit angedeuteten Verbeugungen, aber die Sokrata lehnt das Getränk ab. Es wird warm.
Platin : “Was willst du, liebe Sokrata?”
Sokrata : „Ich? Nein. Was wollt ihr alle?”
Publikum : “Gerechtigkeit” – “Liebe” – “Kinder” – “Erfolg” – (usw.)
Platin : „Gut, dann spreche ich. Ich will nur, was mir zusteht. Das, was mir meine Biografie gibt. Jene, die kein Zertifikat erwarben, nichts, was sie wertvoll macht, haben zumindest vom Staat weniger verdient. Denn nur durch Leistung wächst das System in den Himmel. Und dorthin will ich wachsen. In den Himmel der Einsicht. Ich bin alt; noch kann ich geben, aber bald muss ich gehen, im Kreislauf dem Jungen Platz machen. An diesem Platz, dem des Vergehens, findet sich mein Sinn. Solcher Erkenntnis verwehren sich nur Dumme.“
Rabestolz (hält vor der Borussia-Statue kurz an) : “Hier steht geschrieben: ‚Arme, lasst mich mit den Kapitalos nicht allein!‘.”
Platin : „Außerdem will ich Demokratie, und die setzt voraus, dass alle verstehen, was sie entscheiden dürfen, was sie machen dürfen, wo ihr Sinn liegt. Wer das nicht versteht, folgt Affekten, vielleicht Gewohnheiten, dem eigenen Vorteil. Wer seinen Platz kennt, folgt aus eigenem Antrieb aufgeklärten Influenzern. Das ist positive Selbsterkenntnis. Gebogen aus Tradition, gefügt ins System.”
Platin rutscht die Dornenkrone vom Kopf; es kann sie gerade fassen, sieht sie kurz an, presst die Lippen zusammen, legt sie dann mit bittendem Blick der Sokrata in den Schoß. Diese hält sie fest, schief grinsend, als wäre es etwas, das sie oft tut.
Sokrata (kratzt sich, der Gehstuhl knarzt, am Kinn): „Ich denke doch, dass Menschen mehr verstehen, auch über sich selbst, als du zu glauben scheinst.“
Platin : „Du romantisierst. Schon einer meiner Vorfahren wusste: Gibt man dem Volk die Macht, wählt es Demagogen. Ein anderer ergänzte: Stabil sind nur jene Ordnungen, in denen die Fähigsten herrschen. Philosophen, Künstler. Menschen, die erfolgreich Besitz und Status aufgebaut haben.“
Rabestolz : „Red nicht um den Brei, sag es laut, voller Traut: Du willst Eliten und Elite sein. Wir mögen wasserklare Wörter. Aber sag: Wer entscheidet, wer befähigt sei?“
Platin (ohne zu zögern): „Die Fähigen. Wer sonst? Das ist einfach. Man wird mit den wichtigen Fähigkeiten geboren. Diese muss die Gesellschaft fördern und hegen. Das musste auch ich erst lernen. (kurze Pause) Viele lernen das ja leider nie.“
Publikum : “Delegiert die Demokratie”
Platin : „Sehr richtig. Selbstverwaltungsromantik führt nie zu guten Ergebnissen.“
Ein Mensch (tritt kurz vor, dann zurück, wie der Kuckuck einer Kuckucksuhr): „Ich denke, Haven ist weder ein perfektes System noch Ausdruck eines Ideals. Es ist ein Versuch, eine Entwicklung weiterzudenken. Vielleicht den Menschen die eigene Stimme zurückzugeben, die in der Systemwerdung verhallt ist. Das ist mühsam. Aber mühsam ist nicht unmöglich.“
Rabestolz : „Eine echte Stimme kräht uns an – wundersam. Schreit mehr, seid mehr!”
Publikum : “Stimmen darf man nicht zählen – man muss sie wägen!” – „In Haven entscheiden wenigstens die, die es betrifft.” – “Haven ist Chaos.”
Rabestolz : „Chaos. Mag sein. Aber manchmal ist gerade sowas fein.”
Platin (schnaubt): „Nein! Chaos ist der natürliche Zustand der Menge, Haven die Welt der Populisten. Warum? Weil versprochen wird, was widerlegt wurde. Nur durch Leitung kann der Mensch gut werden.“
Publikum : „Chaos ist aller Übel Anfang“ – “Keine Macht für niemand!”
Sokrata : „Ich fürchte, liebes Platin: Was Haven und die Anarchodemokratie angeht, da haben wir andere Sichtweisen. Und ich hoffe, es gibt mehr als nur zwei. Sichtweisen.”
Rabestolz : „Anarchodemokratie ist, wenn mensch die Demokratie ernst nimmt. Wenn die leiseste Stimme so viel Gehör findet wie die Stentors.”
(Ein kurzer Moment Stille. Die Sokrata sackt in sich zusammen.)
Sokrata (leiser): „Wir reden und reden und ich habe nicht gesagt, was ich will. Es ist einfach. Ich bin alt, Platin, und will nicht mehr alt sein. Meine Beine tragen nicht mehr. Ich verliere die Hoffnung auf das erhoffte Wunder des Fortschritts – auf meine neue Jugend, das unbegrenzte Leben für alle. Ich verliere die Hoffnung.”
Platin : “Was …”
Publikum : “Lass ihn ausreden.” – “Wenn ein Mensch lange Zeit lebt …” – “Klammer dich nicht ans Leben, alte Frau.”
Sokrata : „Ich fühle, es wird erwartet, dass ich still verblasse. Ich fühle, dass mein Körper recht hat, im teuflischsten Sinn, wenn er sagt, ich sollte in die Stille gehen. Deswegen sehne ich mich nach einer Welt der Zweifel. Ziehe sogar die trügerische Jugend der Ideale der Nestwärme der bewährten Wahrheit vor.”
Rabestolz : „Das hast du schön falsch gesagt. Und bist schon fast verblasst.”
Ein Wasserballon trifft den Rabestolz, der daraufhin hektisch krähend umherflattert.
Rabestolz : „Revolution! Devolution! Reiner Hohn! „Warte nur, du Wasserbalg – dich krieg ich schon!”
Platin: „Sokrata. Willst du wirklich in die Leere Hoffnung fliehen?”
Sokrata : »Ja. Ich will meine restliche Zeit dort verbringen, wo gestritten und diskutiert wird, ohne dass jemand behauptet, er wisse es besser. Ich will in der Zukunft des Jetzt leben, wenn es sein muss, des letzten Jetzt. Darf ich ehrlich sein, liebes Platin? Deine Zukunft, die Zukunft des natürlichen Kreislaufs, ist mir fremd.“
Platin : „Das klingt nach Abschied. Du willst nach Haven? Wie willst du dorthin kommen?“
Sokrata : „Meine Zeit ist kurz. Warum sie nicht mit Dingen füllen, die mich Hoffnung zumindest schmecken lassen? Mein Rucksack ist gepackt. Kommst du mit?“
Platin (mit seltsamem Blick): „Ich mag dich nicht verlieren. Aber hier … sind wir gut versorgt. Es fehlt uns an nichts … und der Weg ist weit …”
(Ein Raunen im Publikum. Vereinzeltes Klatschen.)
Publikum : “Und fehlt viel!“ – „Du wirst uns fehlen!“
Sokrata : “Ich möchte auf die drei Begriffe vom Anfang zurückkommen – auf meine Art. (kurze Pause) Verrat: Begehen wir Verrat an der Idee, dass andere es besser wissen könnten – Hoffnung: Hoffen wir, dass Böses und Tod Irrtümer sind – Und da wir in einer Welt mit anderen leben … versuchen wir’s mit Nachbarschaft.”
Platin : “Sokrata … Vergeh dich nicht an der Philosophie!”
(Kurze Stille)
Rabestolz : (trottet näher, dreht sich zum Publikum, macht eine entschuldigende Geste mit den Flügeln) „Ich hab’ Beine aus Schrott und eine Meinung aus Fragmenten. Knarzt wie Haven.“
Platin (bleibt stehen): „Und wenn sie scheitern? Haben die überhaupt ein Hospital? Sokrata. Du bist alt. Wir sind alt. Kannst du dir diesen Luxus leisten? Und … Was, wenn ich dort niemand bin? Nicht gebraucht werde?“
Sokrata : „Was du übersiehst, Platin, ist, in meiner Gedankenwelt so ist: Wenn ich bleibe, bin ich sicher, dass ich scheitere. Ich verstehe, du fühlst dich im Gerüst deines Lebens sicher. Ich tat das nie.”
Platin : „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen, Sokrata. Wer die …“
Rabestolz : „Also, ich humpel mit. Der Sonne entgegen.
Die Sokrata, begleitet vom augenblitzenden Rabestolz und einigen weiteren Menschen, kauft sich am Stand einen Derrick für den Weg, während ein gelber Schulbus vorfährt. Ein Mensch im Harlequinskostüm lehnt sich aus dem Fenster und sagt: „Dieser Bus fährt nach Haven!“ Der Platin zaudert.